Begehbarer Kleiderschrank – mein neuer Lieblingsraum in der Wohnung
Als ich zum ersten Mal von einem begehbaren Kleiderschrank hörte, dachte ich an riesige Villen mit separaten Ankleidezimmern. In meiner 65-Quadratmeter-Wohnung schien so etwas völlig unrealistisch. Doch dann stand ich vor der Herausforderung, dass mein Schlafzimmer mehr Kleidung als Schlafzimmer war. Jeder Stuhl diente als Kleiderablage, die Tür ließ sich kaum öffnen und morgens brauchte ich zehn Minuten, um ein bestimmtes Oberteil zu finden. Der Wendepunkt kam, als ich bei Freunden einen begehbaren Kleiderschrank sah, der in einer ehemaligen Abstellkammer untergebracht war. Sie hatten einfach eine Trockenbauwand gezogen, Regalsysteme installiert und schon war der Traum Wirklichkeit. Ich beschloss, meinen eigenen zu planen.
Die größte Hürde war der Platzmangel. In meiner Wohnung gab es keine freie Nische, also musste ich kreativ werden. Ich entschied mich, das Schlafzimmer neu zu gestalten und einen Teil des Raumes abzutrennen. Das Ergebnis war ein begehbarer Kleiderschrank von etwa drei Quadratmetern. Zugegeben, das klingt winzig, aber mit der richtigen Einteilung passt hier erstaunlich viel hinein. Ich wählte ein offenes Regalsystem aus Metall, das bis zur Decke reicht. Oben lagern Sommerdecken und Koffer, unten hängen Blusen und Hosen. Die offene Aufbewahrung verhindert, dass man Kleidung zusammenschiebt und dann nicht mehr findet. Ein Vorhang aus Leinen dient als Türspart und kostet weniger als eine Schiebetür.
Ein Problem, das ich nicht bedacht hatte: die Belüftung. Geschlossene Räume ohne Fenster können schnell muffig riechen. Ich installierte deshalb einen kleinen Lüfter mit Zeitschaltuhr, der zweimal täglich für je zehn Minuten läuft. Zusätzlich legte ich Duftbeutel mit Lavendel zwischen die Pullover. Die Beleuchtung ist entscheidend. Eine einzelne Deckenlampe reicht nicht, weil man im Schatten steht. Ich montierte LED-Streifen unter jedem Regalboden, die sanftes Licht nach unten werfen. Jetzt sehe ich jedes Detail, selbst in der hintersten Ecke. Die Farbtemperatur wählte ich mit 3000 Kelvin warmweiß, damit die Kleidung natürlich wirkt.
Was mich überraschte: Wie viel mehr Ordnung ich plötzlich halten kann. Früher hatte ich drei verschiedene Kisten mit Socken und Schals, die alle durcheinander waren. Jetzt hat jedes Teil seinen festen Platz. Ich sortiere nach Farben und Anlässen. Eine kleine Sitzbank in der Mitte dient zum Anziehen von Schuhen und als Ablage für die Tasche des nächsten Tages. Darunter verstecke ich einen Korb für Schmutzwäsche. Diese Bank ist auch praktisch, wenn Gäste übernachten und ich das Schlafzimmer teile. Sie können dort ihre Sachen ablegen.
Die größte Überraschung kam, als meine Mutter zu Besuch war. Sie hatte eigentlich im Wohnzimmer auf der Couch schlafen sollen, aber ich hatte keine Gästebettwäsche mehr im Schrank. Stattdessen zeigte ich ihr den begehbaren Kleiderschrank, der durch einen einfachen Trick zur Schlafmöglichkeit wurde. Ich hatte nämlich ein Gästebett in Form einer Klappmatratze im Kleiderschrank verstaut. Sie zog die Schiebetür zu und hatte einen ruhigen, abgeschirmten Bereich für die Nacht. Seitdem nutze ich diesen Raum auch als Rückzugsort, wenn ich mal Ruhe brauche.
Ein häufiges Problem in vielen Haushalten: die Bettwäsche. Früher hatte ich sie in einem Schrank im Flur, weit weg vom Schlafzimmer. Jetzt bewahre ich sie direkt im begehbaren Kleiderschrank auf, in einem Korb auf dem obersten Regal. Das spart Wege. Auch mein Bett selbst habe ich optimiert. Ich kaufte ein neues Bett mit einem Bettkasten, in dem ich die Winterdecken und zusätzliche Kissen unterbringe. So habe ich alles griffbereit, ohne dass es im Weg steht.
Für Gäste, die länger bleiben, habe ich eine Lösung gefunden. Ich besitze eine Kanapee mit Funktion zum Schlafen, die tagsüber als Sitzgelegenheit im Wohnzimmer dient. Nachts klappe ich sie aus und lege eine Matratzenauflage darauf. Die Bettwäsche liegt im begehbaren Kleiderschrank bereit. So vermeide ich, dass das Wohnzimmer wie ein Schlafzimmer aussieht. Ein weiterer Tipp: Ich habe eine Wäschebox mit Deckel im Kleiderschrank, die gleichzeitig als Fußbank dient.
Bei der Auswahl der Möbel für den Kleiderschrank entschied ich mich für eine Kombination aus offenen Regalen und wenigen geschlossenen Fächern. Die offenen Regale zeigen meine Lieblingsstücke, während in den geschlossenen Boxen empfindliche Seidenblusen und Wollsachen lagern. Die Böden bestehen aus einem stabilen Stellrahmen aus Metall, der bis 50 Kilo pro Regalbrett aushält. Die Kleiderstange habe ich auf 120 Zentimeter Höhe montiert, damit auch lange Mäntel nicht auf dem Boden schleifen.
Ein Detail, das ich sehr schätze: die Tapete mit Samtstruktur an der Rückwand. Sie fühlt sich weich an und wirkt wie eine luxuriöse Tapete aus Stoff. Die Farbe wählte ich in einem sanften Grau, das die Kleidung hervorhebt. Der Boden ist aus hellem Parkett, das den Raum größer wirken lässt. Spiegel an der Innenseite der Tür helfen beim Anziehen und reflektieren das Licht.
Die Nutzung hat mein Leben verändert. Morgens stehe ich zehn Minuten früher auf, weil ich nicht mehr suchen muss. Der begehbare Kleiderschrank ist mein kleiner Luxus in der Stadtwohnung. Er erinnert mich an die Ankleidezimmer in Filmen, nur eben in klein. Jeder Quadratmeter ist durchdacht, jedes Regal hat seinen Zweck. Wenn ich die Tür öffne, fühle ich mich wie in einer Boutique. Die Ordnung überträgt sich auf andere Bereiche der Wohnung. Vielleicht liegt es daran, dass ich morgens entspannt starte.
Ein letzter Tipp für alle, die Platz sparen müssen: Überlegt, ob ihr eine Wand versetzen oder einen Schrankraum schaffen könnt. Manchmal reicht schon ein Vorhang statt einer Tür, um einen begehbaren Kleiderschrank entstehen zu lassen. Die Investition in gute Regalsysteme und Beleuchtung lohnt sich. Mein Projekt hat rund 400 Euro gekostet und sich innerhalb von drei Monaten bezahlt gemacht – allein durch die Zeit, die ich nicht mehr mit Suchen verbringe. Probiert es aus, ihr werdet überrascht sein, wie viel Ordnung und Ruhe ein kleiner Raum bringen kann.
